|
|
| |
|
|
| |
|
|
| |
|
Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal in diese Gegend gekommen bist?
Am 28. August 1991, und es war sehr heiß.
Martin sollte ein halbes Jahr Auslandspraktikum machen, er studierte an der Fachhochschule für Maschinenbau, er machte das Ingenieursstudium.
Unsere Idee war eigentlich gewesen für ein Müllrecyclingsprojekt ein halbes Jahr nach Nepal ins Katmandutal zu gehen, aber das hat sich zerschlagen hat. Dann haben wir was in Portugal gesucht, das hat sich aber auch in Wohlgefallen aufgelöst, und dann, wie das mit Zufällen so ist, hat es uns hierher gespült.
Ihr beiden alleine?
Niklas gab es schon, meinen ältesten Sohn. Dann kamen wir hier an, es war furchtbar heiß, und es war alles „abgebrannt" von der Sonne, und ich fand es schrecklich. Alles voll mit Leuten, die Strände supervoll und viel zu heiß, und alles voll mit Fliegen. Ich mußte nochmal für einen Monat nach Deutschland zurück an die Privatschule an der ich gearbeitet habe und habe Niklas mitgenommen, und wir kamen im Oktober wieder her.
Und Martin?
Der machte ja sein halbes Jahr Praktikum, in der Autowerkstatt von Antonio in Níjar. Da wohnten wir auch, in einem Cortijo von Antonio. Entweder blies der Poniente und es hat nach Müllhalde gestunken, oder es war Levante und dann hat es nach Schweinefabrik gerochen, und vor dem Haus fuhren die LKWs weil die Autobahn gebaut wurde, also es war grauenvoll. Als ich wiederkam konnten wir dann nach Los Jimenez umziehen in das Haus von einem Freund von Martin, der inzwischen mein Schwager ist. Der hat meine Schwester bei unsere Hochzeit kennen gelernt. |
|
 |
|
|
Aber nochmal zurück zu dieser Anfangszeit, du fandest es hier schrecklich und gingst nach Deutschland zurück, kamst aber wieder her, weil dein Freund hier war.
Ja, ich hatte mir unbezahlten Urlaub genommen, mußte aber für diesen einen Monat zurück und arbeiten. Als ich dann wiederkam, hatte es hier geregnet und alles war mit einem kleinen grünen Hauch überzogen, und die Leute waren alle weg, die Strände waren traumhaft, das Licht war so wahnsinnig, und man konnte so ewig weit gucken. Zunächst hat es mich gestört, dass keine Vegetation da ist, aber sie ist ja da. Wenn man anfängt zu schauen ist es ja unglaublich. Und dann hat sich das komplett gewandelt. Ich war dann völlig fasziniert. Vor allem vom Licht. Spätnachmittags, wenn die Serrata sich faltet und diese Schatten fließen, großartig. Wo ich zunächst gedacht hatte es ist alles so farblos, alles so Staub-grau-braun. Dann habe ich angefangen die Nuancen zu sehen und die unglaubliche Farbpalette und wie viele verschiedene Pflanzen es gibt. Wenn man genau hinschaut ist es traumhaft.
Wie kam es dann, dass ihr länger bliebt als das halbe Jahr?
Es hat uns gut gefallen und dann haben wir gedacht, vielleicht eine kleine Ruine zu kaufen, ein bißchen Land wo man wieder hin zurückkkommen könnte, aber wir hatten ja kaum Geld zum leben. |
|
|
|
|
 |
 |
|
|
|
|
Es war uns aber schon klar, wenn wir hier kein eigenes Stückchen haben, dann bleibt es Erinnerung und dann war es ein netter Aufenthalt.
In Los Jimenez hatte ich Maria Josefa kennen gelernt. Sie war die einzige Bewohnerin dort außer uns. Die wohnte da zwischen den Trümmern und war froh, dass jemand sie mitnahm wenn ich mit dem Auto rumfuhr, und ich war froh, dass ich jemanden hatte, der mich rumführen konnte. Ich konnte ja kein spanisch.
Und Maria Josefa, sprach die deutsch?
Die sprach unentwegt spanisch ohne Punkt und Komma. Ich habe immer genickt aber immer auch eine Spur verstanden und mit der Zeit immer mehr. Die hatten in dem Haus, in dem wir wohnten, Bücher von der Volkshochschule, und darin habe ich ein bißchen Grammatik studiert und habe immer mehr verstanden. Und das mit der Bluthochzeit hat mich ja sehr fasziniert, das hat mir Maria Josefa auch oft und in aller epischen Breite erzählt.
War sie auf der Hochzeit dabei gewesen?
War sie nicht. Sie war zwei Jahre alt, als die stattfand. Aber ihre Mutter hat ihr natürlich alles erzählt. Darüber wurde hier ja viel und jahrzehntelang wirklich gesprochen. Ich habe mir dann den Garcia Lorca gekauft im Estanco in Campohermoso und mit dem Wörterbuch daneben gelesen, ich mußte ja ungefähr jedes Wort nachgucken und habe ziemlich viel spanisch dabei gelernt.
Maria Josefa hat uns dann dieses Haus hier gezeigt.
Wie heißt das hier?
El Campillo de Doña Francisca ist der Name der Cortijada. Wir haben unser Cortijo dann El Campillo genannt. Hier in diesem Haus wohnte damals noch eine von den Nichten der Braut, Virtrudes, die übrigens auch humpelte, genau wie die Braut auch. Nach der vereitelten Hochzeit haben sie übrigens die Paca hierher gebracht und sie wohnte dort, wo wir jetzt das Apartment haben und hat sich dort als Schneiderin ihren Lebensunterhalt verdient, bis eine der Nichten geheiratet hat und nach Ualix gezogen ist und sie mitgenommen hat.
Wann habt ihr das Haus gekauft?
1991, ich war schwanger mit Max, da hatten wir ein Treffen mit der ganzen Familie der damaligen Hausbesitzer in Ualix, und Martin und ich mit Wörterbuch. Wir haben uns irgendwann drauf geeinigt, dass wir das Haus kaufen, und dann haben wir anbezahlt und sind schnell nach Deutschland zurück, um die Schecks zu decken, die wir abgegeben hatten, außerdem war auch das halbe Jahr von Martins Praktikum zu Ende. Wir hatten den Kaufvertrag so gemacht, jedes halbe Jahr einen Teil des Geldes zu zahlen. Dann mußten erst Martins Eltern und dann meine Eltern und dann die Bank ran. So haben wir das abbezahlt, und erst als die letzte Rate über den Tisch war, durften wir einziehen, und so lange hat die Virtrudis hier auch gewohnt. Für diese ganze Zeit des Abzahlens hatten wir uns den Eselstall so notdürftig hergerichtet, damit wir in den Ferien herkommen konnten. |
|
|
|
|
|
Wann seid ihr definitiv hergezogen?
Da war Max geboren, Niklas war sechs und wurde hier eingeschult, im September 1993. 1994 ist dann Lucas hier geboren, im "Hospital Virgen del Mar", ein echter Almerienser also. Die Entbindung war so schrecklich, wie man sich eine Krankenhausgeburt nur vorstellen kann, mit Wehentropf und allem, was ich nicht wollte. Deshalb ist dann unser jüngster Sohn Tobias 1998 hier zuhause geboren. Wir hatten eine fantastische und sehr erfahrene Hebamme aus Níjar, Maite, die uns alle sehr gut auf die Geburt vorbereitet hatte. Ausserdem war unsere Freundin Elke dabei und hat geholfen.
Was war euer Plan, wovon wolltet ihr leben als ihr hierher kamt?
Von Solarenergie. Martin hat sich beim Studium schon auf Solarenergie spezialisiert gehabt und auch seine Diplomarbeit über ein Projekt gemacht, was er hier realisiert hat. Aber im ersten Jahr als wir hier schon ganz wohnten, lebten wir noch in Los Jimenez weil wir noch nicht alle Raten für das Haus bezahlt hatten, und in dem Jahr hat Martin mit Cava gehandelt. Er ist mit dem Bus nach San Sadurni d'Anoia bei Barcelona gefahren, hat dort Cava gekauft und hat ihn nach Deutschland gebracht. Davon haben wir zunächst gelebt.
|
|
|
 |
 |
|
|
|
|
Er hatte auch schon Aufträge für Solaranlagen und hat seine Fußbodenheizungsprojekte entwickelt. Dafür hat er auch mal einen Preis bekommen von der „Camera de Comercio" für die „Mejor Divulgación de las Energias Renovables en un Parque Natural". Diese offizielle Anerkennung war natürlich schön.
Und wie sieht es zur Zeit aus?
Gut, wunderbar. In der Solarenergie gibt es nicht wirlich eine Krise. Wie kam es dann zu dem Casa Rural?
Die Grundidee für unser Gästehaus war ein „Centro de Energias Renovables", mit mehr Zimmern als es jetzt hat und mit einem Unterrichtsraum, um Kurse abhalten zu können für Ingenieure und Architekten.
Aber wir durften nicht so viel bauen. Für mich war wichtig, mein eigenes Geld zu verdienen, was ich früher ja immer gemacht habe. Die Situation, von dem Geld zu leben, das jemand anderes verdient, das ist mir schon gegen den Strich gegangen. Obwohl vier Kinder zu haben mehr als ausreichend ist für eine Frau. Ich hatte auch das Gefühl, Martin braucht Entlastung, denn er ist so mit seinen Projekten beschäftigt und mit der Aufgabe, genug Geld zu verdienen, das ist eine große Belastung. Und die Kinder wurden selbständiger, so dass ich Lust hatte auf etwas Eigenes.
Und dann habe ich immer den Wunsch, etwas zu vermitteln was mir wichtig ist, ich bin ja Lehrerin. Aber hier in den Schuldienst zu gehen, das ist für mich unvorstellbar, das wars aber auch in Deutschland. Ich habe dort ja auch in der Erwachsenenbildung gearbeitet. Ich hatte immer das Gefühl, ich kann meine Projekte in staatlichen Schulen nicht verwirklichen. Da war dann die Idee zu einem Gästehaus, wo die Leute, die Lust haben, etwas lernen können naheliegend, das fand ich großartig.
Ich finde es gibt enormen Informationsbedarf was Solartechnik und Solarenergie angeht. Und dann dachte ich, wenn man das Vermitteln mit etwas Angenehmem verbinden kann, dass die Leute, die kommen, hier an einem schönen Ort sind, ihre Familien mitbringen können, und ich mir vorstellen konnte, die Kinder zu nehmen und mit ihnen zum Beispiel Spargel zu suchen oder anderes Gemüse zu pflücken und dies dann vielleicht im Solarofen zu kochen, oder mit den Kindern etwas zu basteln, kleine Autos zum Beispiel und diese mit einem kleinen Modul auszurüsten, so dass die fahren können. Es sollte für die Kinder etwas spaßiges und tolles sein, sich mit alternativen Energien zu beschäftigen und selbst kreativ zu sein.
|
|
|
|
|
|
Ein überzeugender pädagogischer Ansatz...
...ja, ich kann es nicht lassen. Und ich bemuttere die Menschen ganz gerne und betütel sie und hätte aber auch ganz gerne, dass sie noch was lernen. Ich lerne selbst auch so gerne. Ich habe jetzt auch den Kurs bei Grupo J 126 gemacht zum „Intérprete Ambiental". Ich bin so neugierig und glaube, dass alle Menschen neugierig sind, wenn man es ihnen richtig rüberbringt. Ich finde es auch so wichtig, dass man das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet oder dass alles angenehm und alles nützlich ist. Das war die Idee.
Und wie fing die Verwirklichung an?
Wenn man bereit ist, ergeben sich oft die Dinge wie von selbst. Irgendjemand sagte damals, in Almeria gibt es einen Kurs vom „Instituto de la Mujer", einen Unternehmensgründungskurs für Frauen. Da mußte man zu einem Interview, 100 Frauen hatten sich, glaube ich, beworben, 20 wurden genommen, und ich war dabei. Dann gab es einen Vorkurs und den dreimonatigen Kurs, jeden Vormittag in Almeria. Es kamen Dozenten von einer privaten Hochschule aus Madrid, richtig gute Leute. Wir hatten Marketing, Económico Financiero, Recursos Humanos und Jurídico Mercantil, eine richtig gute Ausbildung. |
|
|
|
|
 |
 |
|
|
Wann war das?
Im Herbst 2004 auf 2005. Das, was man morgens im Unterricht gelernt hatte, mußte man als Hausaufgabe auf sein eigenes Projekt übertragen und am nächsten Tag vorstellen. Da mußte ich richtig ran, denn wenn ich nachhause kam, hatte ich ja die Familie und Wäsche, Kochen etc. Nachts an den Computer, morgens Essen für mittags vorbereiten und dann zum Kurs. Aber ich habe viel gelernt. Als Abschluss mußte man einen Unternehmensgründungsplan mit 5 Jahren finanzieller Vorausschau erstellen, also auch etwas, was man bei der Bank präsentieren konnte. Das, was ich da geschrieben habe, habe ich bei der Bank als Antrag für die Finanzierung vorgelegt. Ich war, glaube ich, bei acht verschiedenen Banken, und Unicaja war die Bank, die Interesse hatte. Andere Banken haben gesagt, das Projekt sei zu teuer, weil ich nicht normales Baumaterial vorgesehen hatte. Ich wollte ökologisch sinnvolles Baumaterial, das relativ teuer ist, wie zum Beispiel gute doppelte Fenster, oder „ladrillos de cañamo", jedenfalls nicht so dieses möglichst-schnell möglichst-billig.
Der Kurs in Almeria war also nicht theoretisches Lernen, sondern es ging um ganz konkrete Firmengründungen.
Ja. Das war die Voraussetzung. Es war gedacht für Frauen, die etwas auf die Beine stellen wollen. Eine wollte zum Beispiel eine „Lenceria" aufmachen, eine andere einen SPAR, die nächste eine Videothek, und alle waren unterschiedlich alt, das war sehr interessant.
Wie hast du dein Projekt genannt?
Casa Rural Ecológica Cortijo el Campillo.
Als du anfingst war aber noch die pädagogische Idee im Projekt drin.
Ja, und für mich schließt der Begriff „energias renovables" auch die menschlichen Energien ein, also nicht nur das, was man physikalisch wissenschaftlich messen kann. Ich habe gesagt, ich möchte hier auch Taichikurse machen und Yoga.
Und dann gings irgendwann los.
Ja also zuerst hatten wir einen Architekten, der 8000 € kassiert hat, aber es endete damit, dass wir uns von dem getrennt haben, weil es mit ihm überhaupt nicht funktionierte. Dann wurden die Pläne auch bei verschiedenen Institutionen abgelehnt, alles sehr kompliziert. Später hatten wir eine andere Architektin, mit der ging es dann gut, aber dann hatte ich wieder Probleme mit den Behörden, die mir immer wieder alles ablehnten, es war schrecklich kompliziert. Die Vorschriften der verschiedenen Behörden waren nicht deckungsgleich, was die eine genehmigte, lehnte die andere ab. Es war sehr aufreibend.
Aber jetzt steht ein schönes Gästehaus. Seit wann ist es eröffnet?
Seit dem 6. August 2008. An dem Tag kamen die ersten Gäste, ein Ehepaar aus Valencia und die haben mir gezeigt wie man Limonade macht. Mit dieser hausgemachten Limonade habe ich dann die nächsten Gäste empfangen.
Web de la Casa Rural Ecológica Cortijo el Campillo. : www.campillo.info |
|
|
| |
 |
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|