Home Cabodegatawoman Asociación
Blog Cabodegataman Contacto
     
 

Introducción

En castellano :
Hiedra
 
Maite
 
Lola
En alemán - auf deutsch :
Claudia
Marion
Andrea
Heidrun
 
 
 
     
     
 

Claudia Scholler

Interview mit Claudia, Sonntagnachmittag, 4. Mai 2008, im Cortijo El Saltador, Lucainena de Las Torres.

Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal in den Naturpark Cabo de Gata gekommen bist?
Ja, das war kurz nach Silvester 1998. Ich erinnere mich sehr genau, das war der 6. 7. oder 8. Januar.

Und die Umstände...?
Ich wußte, ich möchte Südspanien kennen lernen. Auf Mallorca fand ich keine Alternative für mein Miethaus, also man konnte nichts kaufen geschweige denn mieten, weil dieser Inlandboom kam. Und ich hatte in einem Craneo-Sacral-Kurs, der in meinen Haus stattfand, eine Düsseldorfer Psychologin, die sagte: wir sind seit vierzehn Jahren Weihnachten und Silvester bei Freunden in Mojácar, und komm doch einfach! Und dann war ich Silvester in Mojácar.
Im Integral hatte ich eine Anonce geschaltet, dass ich Südspanien kennen lernen möchte und auch bestehende Projekte und darauf hatte sich Sunseed aus Rio de Aguas gemeldet.
Wir sind dann morgens von Mojácar aus nach Carboneras gefahren und an den wilden Stränden dort spazieren gegangen. Das war ein ganz schöner Neujahrstag oder zweiter Januar, und ich bin erst gegen Abend losgefahren nach Rio de Aguas und bin bei einem dieser
Winter-Hollywood-Sonnenuntergänge in diese Wüstenlandschaft hier gefahren. Und hab dann über Sunseed gleich den Bernhard vom Antagon Theater kennen gelernt, und der hat mich dann in die La Loma nach La Isleta geschickt. Von dort aus fuhr ich an die Buchten hinter San José und lebte dann drei Tage in meinem kleinen Suzuki-Bus, in dem ich eine Matratze für Notfälle drin hatte. So begann hier plötzlich mein neu erwecktes Hippieleben, das ich schon längst ad acta gelegt hatte. In dieser allerletzten Bucht vor dem Leuchtturm am Cabo de Gata habe ich drei Tage mit Hund und Bus gestanden und konnte mein Glück nicht fassen.

 

Das heißt du kamst von Mallorca.
Ich lebte auf Mallorca und hatte mir einen Wintermonat frei genommen, um durch Südspanien zu gondeln ohne irgendeine  Idee zu haben wo es mich hintreibt. Ich hatte eine holländische Comunity bei Benidorm, Sunseed in Rio de Aguas und zwei Projekte in Granada auf dem Zettel, die ich beiläufig besuchen wollte, während ich mir  das hier unten angeguckt habe. Aber in dem Moment wo ich hier war, war es um mich geschehen. Ich hab mich dann zwar noch nach Granada "gepeitscht" und fand das auch alles sehr schön, aber es war ganz klar, es soll bitte, gerne, hier sein, was auch immer passiert.

"Hier" bedeutet für dich aber eine größere Zone als nur der Naturpark.
Ja.

Wie ist es denn dazu gekommen, dass du hier in Lucainena gelandet bist?
Indem ich rumgefahren bin. Also ich hab mir einen groben Überblick verschafft und habe dann gedacht, vierzig Kilometer um den Flughafen rum, sozusagen als Anfahrtsradius für meine Gäste. Und dann sind natürlich El Alquián und Retamar weggefallen, und im Grunde der Naturpark auch, weil mir klar war, ich brauch was, was so groß ist, was ich dort nicht bezahlen kann. Und dann hatte ich diesen  Reiseführer, der sich Cabo de Gata-Níjar nennt, und der geht genau bis Lucainena.

 
 

Von dem Moment an, wo ich hier ankam, ergab immer eine  Sache die andere. Es passierte nämlich folgendes, dass ich in Rio de Aguas eine amerikanische Masseurin kennen lernte, die zu mir sagte: da gibt es eine Frau, die will sowas ähnliches machen wie du, die hat auch schon ein Haus, aber das läuft irgendwie alles nicht , und das ist in Turre, das ist auch eine der Mühlen von Rio de Aguas, das Centro El Molino. Diese Frau ist Physiotherapeutin in Böblingen und hat dort in Turre ein sehr sehr schönes Haus und das kommt einfach nicht auf die Beine. Und die lernte ich kennen.
Als ich dann später wieder zurück war in Mallorca, stand die eines Tages plötzlich vor meiner Tür und erzählte von ihrer zu Ende gehenden Beziehung mit ihrem damaligen Freund, und so ergab es sich, dass wir ausmachten, dass ich ihr Haus in Turre im kommenden Winter hüten würde. Und so kams dass ich am 15. November für drei Monate ins Centro El Molino nach Turre ging... das war 1999 auf 2000.
Ich bin dann ins geologische Centro Urra, zwischen den Höhlen von Sorbas und Rio de Aguas, gegangen und hab mir alle topografischen Karten der Gegend besorgt und hab genau meine vierzig Kilometer um den Flughafen rum durchsucht, habe alles ausgestrichen, was mich nicht interessiert und bin wirklich von montags bis freitags in jeden Weg reingefahren, wo ich ein kleines rotes Kästchen eingezeichnet hatte. Es gibt nach wie vor tolle Sachen, einsame Ruinen und verlassene Dörfer...

...immer noch...
...ja, ich hab damals wahnsinnig viel gesehen und hatte mir als erstes ein ganzes verlassenes Dorf in den Kopf gesetzt. Das ist unendlich schön, zwischen Cariatíz und der Autobahn, hinter Los Castaños fährt man einfach in die Berge, das ist irre schön. Und da ich ja immer naßforsch an diese Sachen rangehe hab ich dann unten im Dorf  kontaktet und nach einer Woche hatte ich, glaube ich, auf 21 verschiedenen Sofas gesessen und hab dann gehört, dass der Raum links neben der Küche dem Gitano gehört, den man zuletzt vor sieben Jahren in Sorbas auf dem Markt  gesehen hat, und so langsam wurde mir klar, wie unrealistisch dieses Dorf ist. Und da geriet ich aber auch an den  Bürgermeister von Turre, der sich dann als völlig hilfreich, seltsamerweise, entpuppte. Und der hat mir dann das ganz schöne Cortijo La Piedra gezeigt, was aber gar nicht zu verkaufen war. Und irgendwann später hat sich herausgestellt, dass der mich hinhalten wollte, denn der hatte eigene Pläne mit den verlassenen Dörfern.
Und irgendwann, auch wieder nach Silvester, das war Anfang Januar 2000, mit diesen Freunden, sind wir über die Straße von Polopos gekommen und haben diese beiden großen Ruinen hier gesehen. Und so fing es an. Da waren diese Bienenkästen, da hab ich Zettel dran gemacht, das ist genau die Geschichte, die man nie glaubt...

...was stand auf dem Zettel drauf?...
..da stand drauf, ich wollte gerne wissen, ob das Haus zu verkaufen ist und eine Telefonnummer, unter der man mich erreichen kann.

Wieviel Zettel hast du dran gemacht?
Einen, an den Bienenkasten. Das war komisch, das war Lucainena, das wußte ich ja alles nicht.  Ich wußte mittlerweile, dass man von Montag bis Freitag überall rumfahren kann, dass nirgendwo einer ist auf dem Land, und wenn man über ein Haus etwas wissen will, fährt man samstags oder sonntags, denn dann ist immer einer da, der einem weiterhilft. Und hier war das aber nicht so. Hier war immer alles geschlossen, auch am Wochenende war keiner da. Dieser Zettel regnete ein und vergilbte. Und irgendwann traf ich dann den Bürgermeister. Weil ich nämlich an einem Samstag zum Rathaus fuhr. Der war dann sofort Feuer und Flamme als ich ihm von meinem Projekt erzählte und hat das auch bis heute gehalten. Der hat gesagt, es interessiert ihn riesig, das Haus wäre schon vier Mal verkauft worden und jedes Mal in letzter Sekunde beim Notar hätte der Verkauf dann doch nicht stattgefunden. In dieser Beziehung hatte die Familie einen unglaublich schlechten Ruf, es hätte also noch keiner geschafft, aber sollte ich es schaffen, würde er mir jegliche Unterstützung zukommen lassen, denn er würde hier auf Tourismus setzen, und so gings los.

 

Wann hast du dann gekauft?
Ich hatte dann erst eine Telefonnummer. Am Telefon die Frau war wahnsinnig unfreundlich... 20 Millionen (Peseten), raunzte sie... viel Land sei dabei...  und wer mir das denn eigentlich zeigen sollte, sie seien alte Leute und ....ich habe dann gesagt, das käme ja jetzt ein bißchen plötzlich, ich könnte sie ja  nächste Woche nochmal in Ruhe anrufen....Ja das wär wohl besser, und aufgelegt. Das war der erste Kontakt, und so blieben die dann auch, ganz gräßlich. Also ich hab die dann in Almería getroffen und dann haben wir dort auf dem Sofa gesessen, und alle haben geguckt wie die Kampfkrokodile, ein älteres Ehepaar und noch die eine Schwester, und eine dritte Schwester war in Barcelona. Und dann haben wir Handschlag gemacht. Dann sollten Papiere zusammengetragen werden. Es gab eine sehr nette Gestorin in Mojácar, die ist jetzt in Brasilien, und mein alter Freund Sönke, mit dem ich in Hamburg in der Bar gearbeitet habe, der ist mittlerweile Anwalt in Barcelona, die beiden haben das dann mit den Papieren in die Hand genommen. Es war furchtbar. Es stimmte nichts. Die escrituras stimmten nicht, die Landabmessungen stimmten nicht, es mußte alles neu vermessen werden. Die ließen sich auf keinen Vorvertrag ein, ich durfte auch nichts anzahlen, jedesmal mußte ich die Entscheidung wieder selber treffen: mach ich weiter, weil die sich auf nichts einließen und auch diesen schlechten Ruf hatten.

Im Mai rief dann Pilar an und dann rief auch Sönke an und sagte: tut mir leid, wir kommen nicht weiter, der Notar will nicht mehr mit ihnen reden, keiner will mehr mit ihnen reden.
Auf Mallorca habe ich Freunde, die sind Krimiautoren, sehr schlaue Menschen, und dann sagte Birgit, Mensch, die Andalusier sind doch wie die alten Hamburger, die mußt du bei der Ehre packen, lass dir irgendwas einfallen. Ich bin dann hierher geflogen und erst mal zum Notar in Sorbas, und der sagte, die sind einfach furchtbar, die Papiere stimmen nicht, die helfen nicht, die rufen nicht zurück, die sind einfach gräßlich.
Ich hatte schon ein bißchen Geld auf ein Konto hier gelegt, für den Fall, dass es dann doch mal zu einem Vorvertrag kommen sollte, und dann war ich dann wieder bei ihnen zuhause, alle so unfreundlich wie immer, und da hab ich gesagt: was ist denn jetzt hier eigentlich los? Der Notar wundert sich und die Bank wundert sich und die haben mich schon gefragt, mit wem ich denn eigentlich verhandle, ob das ladrones, Betrüger, seien oder ehrbare Menschen. Und das riß die vom Sofa hoch. Das war ein Volltreffer. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Die wurden freundlich, die haben nochmal Hände geschüttelt, haben alles nochmal bestätigt und plötzlich Pläne rausgekramt, die vorher kein Mensch gesehen hatte.

Dieser eine Satz....!
Dieser eine Satz, bei der Ehre. Und dann ging alles weiter. Ich war natürlich vorher im Februar zurück nach Mallorca gekommen und hatte dort mein Haus gekündigt für November und hatte gesagt: also nächste Woche habe ich ein neues Haus, dann habe ich gesagt nächsten Monat und dann im November hatte ich immer noch kein  Haus und hab dann mein ganzes Gästehaus auf einer Straußenfarm auf Mallorca untergestellt. Im Januar 2001 bin ich dann hier rübergezogen, immer noch ohne zu wissen, ob ich das Haus hier habe. Ich ging dann wieder in diese Mühle nach Turre zum Haushüten. Irgendwann rief Sönke an und sagte: in drei Tagen können wir unterschreiben, es ist alles fertig, soll ich kommen? Und ich hab gesagt: ja, bitte!, weil ich dachte,  wenn die jetzt wieder die Pläne hochgehen lassen, ich steh da und heule, ich bin der Sache nicht gewachsen. Dann kam Sönke und dann gab es zum  Glück eine Verwirrung, denn die wollten das gern in Almería unterschreiben, es war aber alles beim Notar in Sorbas vorbereitet und deswegen mußten sie herkommen, und derjenige, der gefahren ist, hat sich vertan und ist über die  Berge von Níjar gefahren und sie hatten Zeitdruck, und bei all den Kurven hat die E. wohl die ganze Zeit gekotzt, die war grün wie Kermit der Frosch, die saß in der Notaría und konnte nicht piep sagen, ich weiß nicht, ob das mich gerettet hat, aber irgendwas hat mich gerettet. Diese drei verbleibenden Familienmitglieder haben sich dann drei haargleiche Schecks, mit hinter dem Komma drei drei drei, ausstellen lassen. Dann  mußte noch ein Neffe mit mir um die Ecke in die Cajamar und die Schecks mußten nochmal bankbestätigt werden, gestempelt, und dann sind die in drei verschiedenen Fahrzeugen weg, und das wars. Da wurde nicht angestoßen und die waren auch untereinander nicht nett...

Kannst du beschreiben, was dich hier an dem Platz so fasziniert?
Dass es keine  Zäune gibt, die Weite... die Weite, die Luft, die Sterne, die wilde Natur, die wilde Freiheit. Dieses wunder- wunderschöne Mallorca mit seinen kleinen Steinmäuerchen und seinen kleinen gewundenen Straßen... also mir ist so das Herz aufgegangen als ich diese Berge hier gesehen habe, und die  Tatsache, dass hier keine Zäune sind hat mich so überzeugt. Das ist ein freie wilde Geschichte hier.

Bleibt dieses Gefühl? Du bist ja jetzt acht Jahre hier, was hat sich da verändert?
Eigentlich nur die Umweltzerstörung. Das Begreifen, dass man hier im Deutschland der Fünfziger ist und dass mir das nicht klar war. Und dass die hier so wahnsinnige Möglichkeiten haben und sie nicht sehen können, ohne jetzt zu sagen sie sind dumm oder irgendwas, denn es hat alles seine Erklärung.... Herrn Franco und den Hunger und die schlechten Zeiten und die Unbildung. Aber die Tatsache, dass die hier eigentlich einen Yosemite National Park hätten, dieser große Nationalpark in Amerika, wo die ganze Welt hinfährt,  in dieser  Kombination aus der Wüste von Tabernas und Karst y Yeso der Sierra Alhamilla zusammen mit dem Naturpark Cabo de Gata, das könnte ein weltweiter touristischer Hit sein, und damit könnten sie gutes gesundes Geld auf Jahre verdienen, und diese Möglichkeit zerstören sie in den letzten Jahren ganz besonders stark in einem  wahnsinnigen Tempo mit neuester Technologie, dass es mir kalt den Rücken runterläuft, dass ich mich frage, schaffen die Leute, die versuchen hier die Natur zu retten, das, bevor sie endgültig zerlegt ist. Da bin ich mir überhaupt nicht mehr sicher.

Was würde es für dich bedeuten, wenn der Tag kommt, wo du sagst, jetzt ist es gekippt?
Dann würde ich gehen.

Wüßtest du wohin?
Noch nicht.

Sorgt dich das?
Es hat mich sehr bewegt und sehr betrübt für eine Zeit, und sehr durcheinander gebracht, und ich habe gedacht, das war ja jetzt wirklich viel Aufwand für so eine Desillusion. Und dann hab ich mir aber überlegt, ich bin die letzte, die hier angekommen ist....

...wie meinst du das...die letzte?...
Also das ist doch hier eine kleine enge Gemeinschaft. Ich fühle mich in Lucainena sehr gut aufgenommen, aber trotzdem bin ich die Ausländerin, mit einem ganz anderen Hintergrund, also ich bin nicht diejenige, die die jetzt hier erzieht, das ist weder meine Position noch bin ich deswegen hergekommen, und ich werde mich bis zu einem gewissen Grad wehren, und ich sage auch, was ich denke, aber wenn ich merke, dass die Bevölkerung hier  einfach was ganz anderes will als ich es möchte, dann ist einfach Zeit zu sagen, o.k., da habe ich was übersehen, das ist sehr schade. Aber einen normal touristischen Betrieb kann ich überall auf der Welt machen, da habe ich eine hochklassige Ausbildung, dann kann ich auch irgendwohin gehen, wo es nicht so mühsam ist wie hier.

Als was bist du ausgebildet?
Ich hab Hotelfach gelernt und habe dann ein Hotelfachbetriebswirtschaftliches Studium dadrauf gesetzt und habe einen Ausbilderschein, habe auf der ganzen Welt gearbeitet und habe in großen luxuriösen Restaurants und Hotels viele viele Jahre gelernt und ein eigenes kleines Catering für eine Zeit lang in Hamburg gehabt. Einen Geburtstag der Gräfin von Dönhoff habe ich mal gemacht, da kriegte mein ART § SCHNITTCHEN den Zuschlag. Also ich kann viel, und wenn das hier nicht gefragt ist, dann wärs vertane Zeit hier. Ich glaub dann muß ich auch nichts Großes mehr machen.

Als du damals nach Mallorca gingst, war das sowas wie ein Ausstieg?
Jein...ja... das war die größte Liebesgeschichte, die ich hatte und die am meisten daneben gegangen ist bis dahin in meinem Leben, und bevor ich den Mann kennen lernte... ich war, als ich ihn kennen lernte, dabei, nach Australien auszuwandern. Ich hatte schon alles verkloppt, hatte mein Ticket, da war ich neunundzwanzig. Und da habe ich ihn kennen gelernt, ein ganz interessanter charismatischer Mann, und wegen ihm bin ich dann geblieben, und wir haben dann zusammen bei Plön mit seinen ältesten Freunden und seiner Schwester einen großen alten Resthof gekauft, und da ging meine Seminargeschichte los. Wir waren eine Wochenendwohngemeinschaft, sechs Erwachsene und vier Kinder, die alle in  Hamburg arbeiteten außer mir, denn ich hatte noch mein ART § SCHNITTCHEN, fing aber zu der Zeit mit dem Seminarbetrieb an.  Und fast alle Gruppen aus der Zeit sind jetzt hier immer noch dabei.

Das ist ja unglaublich.
Ja, die haben mir das hier auch ermöglicht.

Das heißt die sind erst mit dir nach Mallorca gegangen…
…die sind erst mit nach Ibiza gegangen. Ich war ein Jahr auf Ibiza in einem leerstehenden Seminarhaus, um es dort auszuprobieren. Da hat diese pschotherapeutische Gemeinschaftspraxis, die jetzt im Juni auch wieder kommen, die haben gesagt, wenn du das machst, wir kommen sofort, wir helfen dir, wir unterstützen das. Und die haben zwei Riesen-Sommer-Camps bei mir gebucht, und nach dem Sommer wußte ich Bescheid, das ist o.k. mit Spanien, aber Ibiza auf keinen Fall, viel zu durchgeknallt, vollkommen irre im Sommer und tot wie sonst was im Winter. Und dann hatte ich mir vorgenommen, ich geh ein Jahr nach Mallorca, und wenn ich da nichts finde, dann wärme ich Australien wieder auf. Dann habe ich aber ganz schnell auf Mallorca dieses uralte Riesenhaus gefunden, dieses wunderschöne Herrenhaus, für das ich einen Fünfjahresvertrag abgeschlossen hatte. 

Und warst du zufrieden dort?
Ja, ich wußte Australien ist zu weit, dafür war ich zu unglücklich und dazu war alles zu fuchtbar. Und in Deutschland wollte ich auch nicht bleiben. Ja, das war eine tolle Zeit auf Mallorca. Der  Umweg sozusagen hat sich auch gelohnt, denn ich habe auf Mallorca einen supertollen spanischen Freundeskreis gefunden aus Künstlern und Kunsthandwerkern, und die sind mir auch richtig ganz doll erhalten geblieben. Es gibt fünf, sechs sehr enge Freunde, und ich habe dort auch die Sprache gelernt, denn als ich dort ankam konnte ich kein spanisch. Ohne die Erfahrung von Mallorca hätte ich das hier niemals geschafft.

Ja, den Eindruck habe ich auch. Also was du hier geleistet und geschaffen hast hätte eine Frau alleine, die frisch aus Deutschland kommt, nicht machen können, ganz klar.
Hat es dir jemals leid getan, dieses Projekt hier angegangen zu sein?
Nee. Gar nicht. Es war eigentlich von Anfang an mit bemerkenswerten Schwierigkeiten immer wieder verbunden. Und es war immer richtig. Es war drei Mal so irre irre schlimm. Ich habe ja 56 Hektar Land mit gekauft und habe das gegenüberliegende Land sehr schnell abgetrennt und aufgeteilt  in zwei mal vier Hektar und zwei mal sechs  Hektar Land, und das haben ganz schnell Freunde von mir gekauft und Kunden, die kleine 50-Quadratmeter- Häuser bauen wollten, und wollten die sozusagen hier dem Zentrum angliedern. Die wollten ihre Kurse hier geben und ein privates Haus haben, dass sie  auch Partner und Familie mitbringen könnten, und die Häuser sollten auch dem Seminarhaus zur Verfügung stehen für andere Veranstaltungen. Und das war alles von der Gemeinde abgestempelt und alle fanden die Idee gut. Das war Anfang 2003, und da wurde das Baugesetz hier geändert. Es darf nirgendwo mehr gebaut werden wo nicht vorher ein Haus oder eine Ruine stand, ganz egal ob du einen oder hundert Hektar Land hast. Das hieß, ich mußte mitten in meiner Bauphase zweihunderttausend Euro zurückgeben. Das war absurd und ganz schrecklich.

Da erledigte sich so eine erste Sache. Hier hinterm Haus überm Berg ist eine sehr schöne Ruine mit einer Höhle, und von der hatte ich immer  die Illusion, dass die irgendwann mal in ferner Zukunft wenn ich  wieder Geld habe, meine Haus wird . Die habe ich dann an einen dieser vier Leute verkauft, aber damit hatte ich einen schönen Zukunftstraum verkauft. Deshalb konnte ich auch am Anfang den Seminarraum nicht bauen, weil irgendwie nichts mehr stimmte. Umso bitterer ist jetzt natürlich, dass jetzt dieser neue Bauplan kommt und jetzt hier nebenan jemand zweitausend Häuser beantragen kann und einem dann auch noch dieser Mast aufs Gelände gesetzt wird. Dann kam das nächste, da kam eine Hamburger Firma, die haben einen Dokumentarfilm drehen wollen über die Gegend, über die Gewächshäuser und den sanften Tourismus hier in Lucainena, die mußten das dann aber alles absagen, weil der Elektroturm plötzlich da stand.

Elektroturm, da muß man sagen, dass hier eine Hochspannungsleitung gelegt wird und dafür riesige Türme in die Landschaft gesetzt werden.
Und das aktuelle Thema ist ja die enorme Solaranlage und der  WindräderPark, die hier grad gebaut werden, viele hundert Hektar groß, und wie es aussieht sind das Projekte deutscher Firmen...
...die sich eigentlich darüber bewußt sein müßten, dass sie in vergleichbarer Natur in Deutschland im Leben keine Erlaubnis dafür bekämen…

...es geht ja wohl darum, Subventionen zu kassieren und möglichst schnell fertig zu werden, um den erzeugten Strom ins Netz speisen zu können, bis September 2008, glaube ich, denn dann kriegen sie noch einen höhreren Betrag pro Kilowattstunde als danach; übrigens ein Preis, der für 25 Jahre festgeschrieben ist, laut Gesetz.
Das ist ja o.k., und sollen sie die Subventionen kassieren,  aber neben der Autobahn, näher an der Küste, ist soviel brachliegende Fläche, dass man alles dort hätte bauen können ...

Was glaubst du wieso hat man das nicht getan?
Weil die hier immer noch ihr Land für sehr wenig Geld verkaufen, viel weniger als in Küstennähe. Wenn die Geschichte stimmt, wurde da oben ein halbes Kloster mit 1000 Hektar Land für 360.000 Euro verkauft, 2003. Dieses Cortijo besteht aus wunderschönen erhaltenen Gebäuden, das jetzt umgeben ist von Solaranlagen. Von den 1000 Hektar sind jetzt 600 abrasiert, alte Bäume weg, alte Oliven, alte Algarrobos, alles weg, alles niedergemacht, weil sie es eben für einen Witz Geld gekriegt haben. Und je näher es an die Autobahn und an die Küste geht, umso teurer wird der Grund, weil es Gewächshausland ist. Und da denke ich eben, da ist hier nicht genug Kontrolle, und es fehlt auch die Vision.
Die hätten sehr viele Kilometer Hochspannungsleitungen sparen können. ... die haben hier den alten Herrschaften, die jetzt solche Hochspannungsmasten auf ihrem Land haben, 200 Euro gezahlt, einmalig. Und die Häuser, wo die Kabel drüber gehen, die kriegen gar nix. Es ist ein Skandal. Wäre das besser kontrolliert, dann würde man einfach sagen, Jungs, das  kostet zwar ein bißchen mehr, das lohnt sich aber immer noch ordentlich, ihr geht jetzt  einfach auf die freien großen Flächen neben die Autobahn, ihr geht mit euren Windmühlen zwischen Sorbas und Tabernas, da ist die Landschaft ungefähr so wie in der Nähe von Guadix, wo jetzt die ganzen Windradparks entstehen. In der Sierra Alhamilla gibt es 21 geschützte Vogelarten und 2 stehen wegen Gefahr des Aussterbens unter Weltweitschutz. Die sind aber natürlich mit ihren Windrädern gerade außerhalb der Grenzen des Parks; aber wissen denn diese Vögel...? Ich finde es ausgesprochen absurd. Egal von wo man guckt, von überall sieht man es, auch die Filmkulisse von Tabernas wird zerstört werden.

Es ist natürlich wie du sagst, es fehlt die Vision von denen, die politische Macht haben.
Ich war neulich mit einem Freund, das ist ein hochklassiger Kneipen- und Restaurantbesitzer aus Hamburg, und mit ihm bin ich hinten über das Cortijo Montano am Cortijo del Fraile zu den Minen in Rodalquilar gefahren. Der hat mich nur angeguckt als er das Cortijo del Fraile mit dem ganzen Salat gesehen hat und hat gesagt: sag mal haben die noch alle Tassen im Schrank? Das ist doch unfassbar.... das hat doch hier touristische Möglichkeiten, das ist doch garnicht zu fassen, sind die denn überhaupt noch zu retten?
Aber es ist in jedem Dritte -Welt- Land so, und scheinbar ist das hier mehr Dritte Welt-Land als Südeuropa. Da fällt mir noch eine Geschichte ein. Ich hatte schon auf Mallorca die Fortbildungskurse in Osteopathie, da gibt es einen Philip Beach, also wenn Philip Beach einen Kurs gibt da drehen sie alle durch, wenn Philip Beach einen Kurs gibt, dann sind sie alle da, das ist ein sehr sehr netter, charismatischer Mensch, und der ist nach Neuseeland beordert worden. Da gibt es scheinbar jetzt das innovativste Osteopathie Institut der Welt. Philip Beach kam im Jahr 2003 hierher und hat hier die erste Gruppe gegeben. Aus Aachen organisiert, da gibt es die Deutsche Osteopathische Vereinigung.
Noch absurder … direkt anschließend, die gaben sich wirklich die Klinke in die Hand…kamen die Hellerworker.  Es gibt eine Tiefenmassage, die nennt sich Rolfing, und da gibt es eine amerikanische  Abart, die nennt sich Hellerwork, die arbeiten sehr undercover, von denen erfährt man nicht viel, die machen aber ein anual meeting. In Rio de Aguas gibt es einen David, der ist ein Hellerworker und auf den fiel nun tatsächlich das Los, Hellerworker in Europa zu organisieren, und nun kamen auch die Hellerworker 2003 direkt am Anschluss an die Osteopathen hierher. Das heißt, zu den ersten beiden Gruppen, die ich hatte, kamen Leute aus New York, Los Angeles, Hawai, Japan, China, Neuseeland,  Australien, und so weiter, unglaublich! Und die waren alle sowas von hingerissen, die halten alle noch Kontakt und sind so verliebt in diese Gegend von Spanien.
Philip Beach ist im Jahr drauf nochmal gekommen. Einer der Osteopathen, die hierherkamen, hörte in Neuseeland von Hellerwork und ging dort zu einem Therapeuten, und als sie die Termine für die Sitzungen machten, hat der eine gesagt: im September kann ich nicht, da bin ich in Europa. Ja, sagt der andere, das ist aber ein Zufall, da bin ich auch in Europa, wo denn in Europa? In Spanien.
Es stellte sich raus, dass diese beiden Männer in Neuseeland in meinem noch nicht eröffneten Cortijo El Saltador aufeinanderfolgende Kurse gebucht hatten…

…eine schöne Geschichte…
…aus der ganzen Welt kommen hier Leute angereist. Ich habe schon unglaublich viele Leute aus New York hier gehabt, und alle verlieben sich so in das Ganze. Es bricht einem das Herz zu sehen, was für eine große Vision hier verwirklicht werden könnte, und begreifen zu müssen, es scheint nicht die Zeit für diese Vision zu sein.

Link zu Claudias Seminarhaus in Lucainena: http://www.elsaltador.com