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Erinnerst du dich, wann du zum ersten Mal
hergekommen bist?
Ja, also genau genommen gibt es zwei Momente wo
ich zum ersten Mal hergekommen bin. Einmal bin
ich unwissentlich hier ganz am Rande des Cabo
de Gata gewesen ohne es zu kennen. Ich war auf
der Druchreise mit dem Bus in dem Ort Cabo de
Gata gewesen, hatte aber keine Ahnung von dem
Naturpark, der damals auch, glaube ich, erst im
Entstehen war.
Wann war das?
Das war 1989. |
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Es war 87 als die Landschaft hier zum Naturpark
erklärt wurde. Aber in den ersten Jahren
hat man sozusagen noch nichts davon gemerkt, es
war eher auf dem Papier.
Und dann hat mich zwei Jahre später ein spanischer
Freund, der auch mal das Cabo de Gata kennen lernen
wollte, mit hierher genommen. Da war ich dann
das erste Mal wirklich hier. Aber auch nur ein
paar Tage.
Wo warst du damals?
Wir sind in Las Negras gewesen, sind aber auch
in Los Escullos rumgelaufen. Da erinnere ich mich
deutlich an diese Steinformationen. Aber ich habe
damals noch nicht diese sehr beeindruckenden Strände
hinter San José kennen gelernt. Das war
dann erst auf der nächsten Reise, ein paar
Jahre später.
Bist du denn immer mit dem Wohnbus gekommen?
Nein, das zweite Mal war ein Camping Urlaub, wo
wir interessante Orte gesehen und Wanderungen
gemacht haben. Und dann war ich lange nicht hier,
bis mich ein nächster Zufall hier so richtig
reingeworfen hat.
Wann war dieser Zufall?
Das war vor vier Jahren, 2003, als ich in Deutschland
auf der Suche nach einer Auszeit war. Drei Monate,
so ungefähr, woanders leben und arbeiten,
also kein Urlaub, das war nicht vorstellbar, sondern
etwas finden, wo ich drei Monate an einem schönen
Ort leben kann und das machen kann, was ich auch
kann. Ich komm ja aus dem Handwerk. |
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Was machst du? Was ist dein Beruf?
Ich habe keinen Handwerksberuf gelernt, aber ich
habe in Freiburg über zehn Jahre in einem
selbstverwalteten Baukollektiv gearbeitet. Und
da war es möglich in einer Baulücke,
die entstanden war, mal drei Monate wegzugehen
und was anderes zu machen. Und dass mich der Zufall
dann direkt hierher verschlagen hat, das finde
ich nach wie vor irre.
Magst du diesen Zufall erzählen?
Ja, ich erzähl ihn eigentlich immer wieder
gern. Bei dem Baukollektiv in Freiburg tauchte
eine Horde wandernder Zimmerleute auf, Leute auf
der Walz. Die sind organisiert und nennen sich
Axt und Kelle. Sie organisieren gerne zweimal
im Jahr für sich große Baustellen und
so eine Art Camp oder Treffen und suchen sich
dafür gerne Projekte aus, die sie unterstützen
wollen. Und das taten sie bei uns in Freiburg,
in unserem großen alten Fabrikprojekt. Ein
alte Fabrik, die umgebaut wurde zu Zentren und
Wohnraum.
Hat das Projekt einen Namen?
Grether Fabrik. Grether ist der Name von dem früheren
Eigentümer, der dort eine Gießerei
betrieben hat. Die Fabrik besteht aus vielen verschiedenen
Gebäuden, und das ganze Anwesen ist in den
achtziger Jahren Stück für Stück
in die Hand von Alternativen geraten, die bessere
Ideen hatten als das Ganze für den Abriß
frei zu geben, was die Stadt am liebsten gemacht
hätte. So wurden Pläne verwirklicht,
die damals in die Zeit von Wohnungsnot und auch
Häuserkampf gepasst hatten. Ich bin allerdings
erst in den Neunzigern dazu gestoßen.
2003 tauchte dann diese Axt und Kelle Gruppe auf,
und ich habe nur einfach mal einem von den reisenden
Zimmermännern erzählt, och Mensch, ich
möchte auch mal so gern drei Monate woanders
in einem Projekt sein, am liebsten auch im Ausland.
Da meint der: du, ich hab da eine Adresse in Spanien,
ich weiß garnicht wo das ist, ich hab die
Frau nur im Hamburg getroffen, das ist eine Deutsche,
die da unten so ein Projekt macht, ich geb dir
mal die Adresse. Und das war Claudia, die Adresse
war vom Cortijo El Saltador in Lucainena. Claudia
baute damals und suchte immer Leute, die Lust
hatten, da mitzumachen. |
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Du riefst also Claudia an....
Wir hatten Kontakt per E-Mail, und das hat wie
die Faust aufs Auge gepasst von beiden Seiten,
was gerade auf der Baustelle anstand, was ich
kann, worauf ich Lust hatte. Ich hatte ihr geschrieben,
ich komme mehr aus dem Mauerarbeiten, Verputzarbeiten,
Fliesenarbeiten, aber mach auch gern alles mögliche.
Und dann meinte sie: ja wenn du kommst, dann sind
wahrscheinlich grad der Innenputz dran, die Fliesen,
und dann hat es auch gut gepasst als ich erzählte,
ich komme nach einer Klettertour in Nordspanien
runter, und dann meinte sie, ach das trifft sich
ja auch, weil bei mir ist die halbe Baustelle
jedes Wochenende am Klettern.
Wo haben die geklettert?
Mittlerweile kann man in Lucainena klettern, weil
dort ein kleines aber wachsendes Klettergebiet
eingerichtet ist. Oder man fährt nach Almeria,
in eine Rambla hinter Almeria...
...um welches Klettern geht es, um Steilwandklettern?
Ja, um Felsklettern oder auch Sportklettern, wie
man sagt. Und diese drei Monate, die waren Schicksal
für mich, ich kann es garnicht anders sagen. |
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Lucainena liegt ja nicht im Naturpark, aber ich
kannte ja den Naturpark und es war mir klar, das
ist für mich genial, so lange hier sein zu
können, und kaum war ich hier, habe ich auch
gemerkt, ich komme hier wieder hin, hier ist was,
ich suche hier was, und ich werde auch hier etwas
finden. Ich hatte das ganz klar im Gefühl
damals. Obwohl ich da ja noch nicht entschieden
hatte, dass ich später mal nach Spanien gehen
werde.
Du hast deine drei Monate in Lucainena gemacht
und bist auch brav wieder zurückgegangen?
Ja. Ich habe mein Projekt zu Ende gemacht, wie
es natürlicherweise zu Ende ging und habe
in der Zwischenzeit natürlich hier den Kontakt
gehalten. Ich hatte ja in den drei Monaten hier
schon viele Leute kennen gelernt, hatte viel mitbekommen,
was im Naturpark passiert, die Zeitschrift El
Eco del Parque gelesen und gedacht, diese Leute,
diese ganze Sache, das interessiert mich.
Wie ist es mit spanisch, wann hast du spanisch
gelernt?
Spanisch hatte ich schon zu dieser allerersten
Reise gelernt, wo ich den Naturpark nur gestreift
habe. Das war eine lange Reise gewesen, und da
habe ich schon etwas spanisch gesprochen. Ich
kam also mit ganz guten Voraussetzungen hier an.
Knapp zwei Jahren nachdem ich die drei Monate
hier gewesen war, ergab es sich, dass ich hier
wirklich eine Einstiegsmöglichkeit bekam,
als ich das Cortijo von Claudia hüten konnte,
weil sie eine Reise machte. In der Zeit konnte
ich anfangen, wirklich hier zu sein und die Fühler
auszustrecken und sich alles entwickeln zu lassen,
was sich nun auch immer entwickeln wollte.
Was hat sich denn entwickelt? Wo bist du denn
jetzt?
Ich bin jetzt an dem Punkt, dass ich mir eigentlich
gerne einen festen Ort, am liebsten innerhalb
des Naturparks finden würde, der meine Ausgangsbasis
darstellt für das, was ich hier gerne anbieten
möchte, nämlich die Tadelakt-Arbeit.
Ich stelle mir im kleineren Idealfall eine kleine
Werkstatt vor, oder in einem größeren
Idealfall stelle ich mir ein Häuschen vor,
dass ich selbst mit Tadelakt verkleide.
Außen auch?
Das müßte ich noch überlegen,
ob außen auch.
Kann man Tadelakt überhaupt außen
machen?
Das kommt auf die klimatischen Bedingungen an.
In Marokko wird es gemacht, in Deutschland rät
man davon ab, und hier kann man es wagen.
Es hat wahrscheinlich mit Feuchtigkeit zu
tun, oder?
Ja, schon.
Nochmal zurück zu deiner Idealvorstellung...
ich seh es ja schon vor mir... ein Häuschen
wo du wohnst und wo du arbeitest... und das im
Naturpark.
Genau. Ich geh davon aus, dass es hier einen großen
Personenkreis gibt, der an meiner Arbeit interessiert
sein könnte.
Wo könnte ich denn, wenn ich jetzt ein
Haus habe, sagen, da hätte ich gern eine
Tadelaktarbeit. Mir fällt immer als erstes
das Badezimmer ein.
Das Badezimmer ist eine gute Möglichkeit,
weil Tadelakt ja eine wasserabweisende Oberfläche
abgibt. Aber es eignet sich jede Wand, weil dieses
Material, der Kalk an sich, ein sehr gutes Material
für Wände ist, raumklimatisch gesehen...
also wenn ich jetzte hier eine Zwischenwand
einziehen will, dann kann ich dich anrufen...
ja, dann müssen wir über die Untergründe
reden und die vorbereitenden Arbeiten... |
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...also die Wand wird ja in jedem Fall mit
Steinen gemauert...würdest du auch mauern?
Ich würde auch die Wand mauern.
Und weil du fragtest, was ich mir für mich
so vorstelle... das ist ein Häuschen mit
vielen Tadelaktwänden in vielen verschiedenen
Farben und auch Nischen... weil ich im Prinzip
auch weg von dem Bild will, dass das Material
hauptsächlich für Bäder ist. Ich
habe in Marokko so viele Wände gesehen ...
auch in Marokko ist Tadelakt was edles und nichts,
was man in jedem Haus antrifft... ich habe da
aber Häuser gesehen, die von oben bis unten
Tadelaktwände hatten, und dieser Eindruck
ist fantastisch, weil sie so komplett natürlich
aussehen, warm und wie Stein aber nicht wie kalter
Stein.
Nein es ist warm und weich, obwohl es ja hart
ist...und man will es immer anfassen...
Genau... und das Häuschen wäre dann
auch sowas wie ein Showroom, um zu zeigen, was
man so alles machen kann.
Wie sieht es denn aus mit deinem Häuschen...suchst
du?...Im Moment wohnst du doch in deinem Bus...oder?
Ich wohne im Moment immer gerne da, wo ich was
zu tun hab. Wenn ich eine Baustelle habe und Tadelakt
an einem Ort machen muß, wo ich nicht wohne,
und wenn es möglich ist, da mit meinem Bus
zu stehen, dann mach ich das gerne. Wenn sich
andere Gelegenheiten ergeben, dass ich woanders
wohne, ist das auch gut, ich bin jetzt nicht auf
Busleben fixiert. |
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Was ich raushöre ist, du bist entschieden,
hier zu bleiben.
Ja. Aber viele Leute sagen, wenn ich so erzähle,
was ich mir vorstelle und suche, och, such doch
außerhalb der Naturparkgrenzen, denn die
Preise hier sind ja sehr hoch. Aber ich denke,
vielleicht hat man ja Glück...
Ich wollte dich gerne noch fragen, kannst
du versuchen zu beschreiben, was dich hier so
fasziniert?
Auf jeden Fall ein Zusammenspiel von dem, wie
die Natur auf mich wirkt, das Landschaftliche,
und die Amosphäre, die ich hier wahrnehme,
die mit Menschen zu tun hat. Ich kann nicht nur
sagen, ah diese Landschaft fasziniert mich so,
dass sie für mich allein ausschlaggebend
ist. Da gehört schon mit rein, wahrnehmen
wer bewegt sich hier, wer lebt hier, was gibts
hier für Netzwerke, einfach die Menschen...
Wenn du sagst die Menschen, sind das überwiegend
Deutsche oder Ausländer oder ist das ein
Gemisch aus allem?
Also ich bin Deutsche und lerne sicher hier schneller
auch Deutsche kennen, sehr nette deutsche Leute.
Gleichzeitig habe ich ganz starkes Interesse,
Spanier kennen zu lernen, und was mein Sprachvermögen
angeht, bin ich an einem Punkt, wo es voran geht
und es mir einfacher fällt mit irgendwem
in spanisch ins Gespräch zu kommen über
irgendwas. Und daran merke ich gleichzeitig so
eine Offenheit Leuten gegenüber, denen ich
begegne.
Würdest du sagen du bist im Moment wirklich
am richtigen Platz?
Ja.
Deine Visionen oder Wünsche für
die Zukunft, abgesehen vom Haus?
Seit geraumer Zeit bin ich im Umbruch und in der
Entwicklung. Ich genieße das Gefühl,
daß Sachen passieren
aus dem Einen
ergibt sich das Nächste. Du lernst jemanden
kennen aus einem Zufall, und daraus ergibt sich
was, wo du denkst: Wow! wenn ich den nicht kennen
gerlent hätte, hätte sich das nicht
ergeben.
so läuft es gerade bei dir...
ja... und es ist genau das, was mir, seit
ich den Naturpark kenne, hier immer wieder passiert
und mich hier begleitet.
Link zu Marions Internetseite: www.tadelakt-art.eu
Link zu Claudias Cortijo El Saltador: www.elsaltador.com |
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