Home Cabodegataman
Cabodegatawoman Contacto
     
 

Introducción

En castellano :
Annika
 
Azucena
 
Sonia
 
Hiedra
 
Maite
Fina
 
Arabel
 
Any
 
Lola
En alemán - auf deutsch :
Claudia
Marion
Annika
Andrea
 
 
 
     
     
 

Andrea Jellinghaus

Gespräch mit Andrea Jellinghaus, 4. Juli 2007 am frühen Abend in Rodalquilar.
Kannst Du Dich erinnern, wann Du zum ersten Mal hergekommen bist?
Das war 1985 mit meinem damaligen Freund Manfred. Wir kannten uns etwas mehr als ein Jahr. Manfred war zwei Jahre vorher schon mal hier gewesen, mit der Idee zu überwintern. Er ist damals die ganze Küste entlang gefahren bis nach Cadiz und dann wieder zurück nach Rodalquilar, weil es dort am schönsten war. Er hatte dann einen Autounfall und musste zurück nach Deutschland. Aber die Gegend war ihm im Gedächtnis geblieben. Er hat mir davon erzählt, und wir sind dann gemeinsam hierher gefahren. Ich war auch von Anfang an begeistert.

Und Ihr seid direkt nach Rodalquilar gekommen?
Ja, weil Manfred sich schon auskannte. Wir haben was gemietet, ganz einfach. Das
war 1985, noch eine andere Zeit. Ohne Telefon. Nur oben in der Mine eins und später eins im Barecillo. Eine richtig gute Zeit.

Seid Ihr lange geblieben als Ihr das erste Mal zusammen hier ward?
Drei oder vier Wochen Urlaub, ganz normal. Und dann sind wir fast jedes Jahr wieder hierher gekommen. Einmal waren wir zwei Monate in Australien und in Ungarn und Italien, weil Manfred dort Verwandtschaft hat, aber ansonsten haben wir immer hier Urlaub gemacht. Wir haben die Leute im Dorf kennen gelernt, auch die Deutschen, die hier lebten, konnten in deren Häusern wohnen, waren befreundet. Viele von denen kommen heute gar nicht mehr. Andere sind getrennt. Na ja, Manfred und ich
sind ja auch getrennt.

Machen wir mal langsam. Vorhin hast Du erwähnt, dass es noch kein Telefon gab als Ihr das erste Mal hier ward. An was kannst Du Dich noch erinnern, wie war das damals?
Die Straße war nicht asphaltiert. Dieser ganze Komplex mit Plaza und Pizzeria und Restaurant und Apartments, da stand gar nichts, nur Ruinen. Auf dem Platz davor wurde Petanca gespielt. Rodalquilar war ein kleines Straßendorf mit Häuschen wie an einer Schnur. Alles eingeschossig, außer der Bar. Weil dort das Telefon stand und die Familie erreichbar sein musste, wohnten sie über der Bar.

Und was war für Dich so reizvoll?
Die Gegend auf jeden Fall. Die Landschaft. Die Weite. Das Licht und der Himmel. Das ruhige Leben. Das normale Dorfleben und die Menschen auch. Es war immer ein unheimlich herzlicher Empfang, wenn wir kamen. Die Besitzer kamen hinterm Tresen hervor und begrüßten uns. Das macht heute keiner mehr. Es gab noch nicht viele Fremde. Heute kommen so viele, die kann man nicht mehr alle auseinander halten. Es war damals sehr familiär.

Wann änderte sich denn was an eurem Urlaubs-Rhythmus?
Ich habe 1989 das Haus hier gekauft. Noch mit Manfred zusammen. Und dann haben wir umgebaut und renoviert. Da sind wir auch mal zwei Monate hier gewesen. Manfred war auch eine Zeit allein hier und hat gebaut, weil er ja freiberuflich war und ich angestellt, ich hatte nicht so viel Urlaub. Diese zwei Monate zum Beispiel habe ich unbezahlten Urlaub genommen.
Als dann unsere Beziehung nicht mehr so gut lief, habe ich gesagt: ich nehme mir mal ein halbes Jahr Auszeit und fahre allein in mein Haus nach Rodalquilar. Ich wußte ich werde nicht ganz allein sein, ich treffe bestimmt ein paar Bekannte. Und José kannte ich ja auch schon. Manfred und ich waren schon mit ihm befreundet. Er hatte Manfred damals nach seinem Autounfall geholfen. José konnte deutsch und hat viel vermittelt. Er war mit 18 Jahren nach Deutschland gegangen, einer der ersten Gastarbeiter, und mit 30 wieder zurückgekommen.

Er spricht ja erstaunlich gut deutsch.
Ja, auch weil ich immer mit ihm deutsch spreche und ihm alles mögliche erkläre.
Er löst sogar deutsche Kreuzworträtsel. Aber es ist ganz schwer für mich mit ihm
spanisch zu sprechen. Auch wenn ich noch so deutlich und richtig spreche, er fragt
immer nach. Für mich ist es ein großer Frust, dass ich die Sprache immer noch nicht gut kann.

Gehen wir mal wieder zurück: Du hast Dir damals eine Auszeit in der Beziehung
zu Manfred genommen.

Ja. Und im Job habe ich gekündigt.

Wie alt warst Du da?
Einundvierzig.

Und als Du dann hier warst?
Geplant war ein halbes Jahr. José und ich sind uns dann näher gekommen, ziemlich
schnell und ziemlich heftig und sehr schön. Und dann habe ich erstmal gar nicht mehr viel an Manfred gedacht. Bis er irgendwann anrief und sagte er kommt. Das war mir natürlich nicht so recht. Ja und als Manfred dann kam, dann wars .... Trennungen sind ja nie so schön. Zuerst war es sehr schwierig zwischen uns, aber
mittlerweile sind wir wieder sehr gut befreundet. Er hat eine ganz nette Partnerin und kommt wieder regelmäßig her. Es war mir sehr wichtig, dass ihm Rodalquilar nicht verloren geht, schließlich hat er mich hierher gebracht.

Und Du lebst von Anfang an mit José zusammen?
Anfangs hat er noch bei seinen Eltern gewohnt, José kommt ja aus Rodalquilar. Aber mit der Zeit, wir haben das nicht besonders geplant, ist Zusammenleben draus geworden.

Und für Dich war dann auch klar, dass Du ganz hier wohnen wirst?
Ja, dann habe ich entschieden ich bleibe. Ich hatte in Deutschland noch eine Wohnung, in der ich mit Manfred zusammen gelebt habe, und er blieb auch noch eine Weile darin wohnen. Als er dann die Wohnung nicht mehr wollte, bin ich nach Berlin gefahren und habe sie mit Hilfe einer Freundin aufgelöst. Wenn ich jetzt nach Berlin fahre, wohne ich immer bei Freunden.

Das war meine nächste Frage: Wie hältst Du den Kontakt mit Berlin?
Den habe ich von Anfang an gehalten. Von den Freundschaften die ich hatte, ist kaum eine weggebrochen. Ich pflege meine Freundschaften, weil sie mir ganz wichtig sind und ich sie mir hier so nicht aufbauen kann… intime Freundinnen und Freunde, gleiche Kultur und Sozialisation, wenn man etwas erzählt und jeder weiß sofort worum es geht.

Kommen Deine Freunde Dich besuchen?
Manche kommen mich besuchen. Ich habe zwei beste Freundinnen. Die eine kam sofort und dann jedes Jahr im September mit ihrem Mann.
Die andere hat sehr lange gebraucht und kommt nicht so regelmäßig, ich habe sie aber genauso gerne. Meine Familie, Mutter, Bruder, Schwägerin, zwei Nichten, ein Neffe, kommt mich auch oft besuchen.

Wie oft fährst du nach Deutschland?
Ein bis zwei Mal im Jahr, ein bis zwei Monate. Die Familie wohnt in Gevelsberg, zwischen Wuppertal und Hagen. Die besuche ich, aber nie so lange, die restliche Zeit verbringe ich in Berlin.

Und wie ging das mit dem Laden los?
Nachdem ich dann wusste ich bleibe, habe ich mich ungefähr ein Jahr einfach nur eingelebt. Ein bisschen am Haus gearbeitet, alles schön gemacht, Blumen gepflanzt, ein Zimmer aufbauen lassen, ein paar Möbel aus Deutschland geholt, die Kommode, den Stuhl von Oma und das Bett. Danach wollte ich wieder eine Aufgabe haben. Ich wollte eine Struktur in meinen Tagesablauf bringen.
Da ist mir der Weinladen in Berlin eingefallen. Immer am ersten Samstag im Monat haben wir uns dort getroffen, Freunde die auch einen Bezug zu Rodalquilar haben. Wir haben spanischen Wein getrunken und eine schöne Zeit verbracht. Una fiesta del medio dia. Meistens habe ich das organisiert. Und an diesen Weinladen habe ich mich erinnert und hab gedacht, so ein kleiner Weinladen, das wäre schon schön. Das könnte ich in dem kleinen Zimmer da unten machen, es ist nicht so viel Arbeit, kein acht Stunden-Tag, denn das wollte ich auf keinen Fall. Ja und dann habe ich angefangen das aufzubauen. Habe den Raum umbauen lassen, habe viele Bücher über Wein gelesen, ich hatte ja keine Ahnung.
José hat mir dabei sehr geholfen. Er hat Freunde, die eine Bar oder ein Restaurant haben, mit denen sind wir zu den Großhändlern gefahren. Ich habe Wein probiert und ausgesucht, und so ist das langsam gewachsen. Jetzt ist der Laden zehn Jahre alt.

Und Du hast jeden Tag auf?
Ja, von 17 bis 22 Uhr. Sonntags ist es nicht ganz sicher, manchmal machen wir einen Ausflug. Ich stehe ja nicht in dem Laden, ich bin im Haus und kann kochen, lesen, fernsehen oder Blumen gießen und wenn jemand kommt, gehe ich hin. Der Laden ist übrigens klimatisiert auf 18 Grad.

Ich merke Du bist immer noch begeistert?
Ja, für mich ist das Konzept total stimmig. Es kommen immer wieder neue Leute, ich
bekomme alles mit, und manchmal ergeben sich nette Runden in meinem Patio.
Ich kann nicht ganz davon leben, da müsste ich mich sehr einschränken, aber da ich geerbt habe, muss ich mir finanziell kein Sorgen machen.

Wie machst Du Deine Einkäufe?
Mittlerweile alles über den Großhandel. Die kommen vorbei, fragen was ich brauche und bringen mir dann die Ware. Wein, Olivenöl, Marmelade; für den Honig fahren wir in die Alpujarras. Früher sind wir noch viel mit dem Auto rumgefahren, Bodegas besuchen, ich bin aber ein viel zu kleiner Kunde, die schicken den Wein palettenweise an die Großhändler und die verteilen dann. So habe ich mindestens fünf oder sechs Großhändler, bei denen ich Weine aussuche.

Und was ich jetzt noch fragen wollte. Hier hat sich ja alles wahnsinnig verändert….
….ich lebe ja einerseits davon, und... man kann ja nichts daran ändern, die Zeit geht weiter. Ich finde wir haben noch Glück, weil Rodalquilar das Zentrum vom Naturpark ist. Es wird zwar viel gebaut, aber nicht so verbaut wie in anderen Dörfern. Ich hoffe, der Boom hört nicht erst dann auf, wenn alles zerstört ist und die Touristen-Karawane weiter zieht. Rodalquilar gefällt mir von der Weite des Tals immer noch sehr gut, und ich bin froh, dass ich hier gelandet bin. Zufällig.

Kannst Du Dir vorstellen, hier bis ans Ende Deiner Tage zu bleiben?
Das weiß ich noch nicht so genau. Ich kann es mir vorstellen, weil ich, wenn mir etwas gefällt, sehr treu bin. Ob ich allerdings das ganze Jahr über hier bleibe, das glaube ich nicht. Die Winter sind mir jetzt schon zu lang. Da guckt man die Straße rauf und runter, wie leer gefegt. Die Bars machen nur noch unregelmäßig auf, und so viel Zeit für mich brauche ich auch wieder nicht. Dann fahre ich nach Berlin. In den letzten zwei Jahren habe ich ehrenamtlich für die Berliner Tafel (Umverteilung von
Lebensmitteln für Bedürftige) gearbeitet. Das möchte ich ausbauen, weil ich gerne im Team arbeite. Das fehlt mir hier. Langfristig gucke ich schon nach einer Wohnung in Berlin, in der ich dann mit Mehreren wohnen könnte, eine Art Alters-WG, aber das hat noch Zeit. Ich möchte pendeln. Nicht das eine gegen das andere austauschen. Ist doch ideal.

Hast Du jemals bereut, hergekommen zu sein.
Nein.